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nochmals
gelesen
Wie viele andere ostdeutsche Autoren und Autorinnen, die uns damals über
den Alltag im realen Sozialismus berichtet haben, musste Manfred Bieler
wegen seiner standfesten Haltung in der DDR einiges Ungemach erleiden.
Schon 1956 verlor er eine Anstellung beim Schriftstellerverband, weil
er sich gegen den Einmarsch der Russen in Ungarn geäussert hatte. Auch
sein Erstlingswerk Maria Morzeck konnte den Parteioberen nicht gefallen.
Der fiktive Bericht dieser jungen Berlinerin wurde als Selbstdarstellung
einer triebhaften, schnoddrigen und subversiven Person eingestuft. Das
aufschlussreiche Buch und ein darauf beruhender amüsanter Film wurden
deshalb 1965 von ZK der SED verboten. Manfred Bieler übersiedelte nach
Prag, musste aber auch von dort nach der Niederschlagung des "Prager Frühlings"
wegziehen, diesmal nach München, wo er vor kurzem 68jährig gestorben ist.
Diese Nachricht erinnert an einen virtuosen Erzähler, der es verstand,
bedrückende soziale Verhältnisse und miese Typen mit viel Sprachwitz und
Situationskomik ohne jede Bitterkeit darzustellen und die selbst erlittene
Zeitgeschichte in packende Romane umzuformen. Ob er sich auch in die Seelenlage
einer wegen politischer Gründe vom Studium ausgeschlossenen, verwaisten
und liebeshungrigen Oberschülerin richtig eingefühlt hat, können wohl
nur Leserinnen kompetent beurteilen.
Ich
finde es grossartig!
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