Toby Matthiessen, Die Bleiche der Zeit. Ein Zürcher Oberländer Textilareal im Wandel
1860 - 2010
Chronos Verlag
144 Seiten Fr. 44.00 bitte mit Mail bestellen

«Die Bleiche der Zeit» verfolgt die Entwicklung des Bleicheareals von den Anfängen der Industrialisierung über Expansionsphasen und Krisenzeiten bis zu der Schliessung der Textilfabrikation im Jahr 1988 und der Umnutzung des Areals in ein lebendiges Zentrum mit Lofts, «Bleichibeiz», Hotel und Wellness-Angeboten.

Zudem handelt das Buch von Bruderzwisten, Liebesbriefen im ausgehenden 19. Jahrhundert, der Expansion der Firma nach Norditalien und den Wirren des 20. Jahrhunderts. Es versetzt die Leser zurück in eine Zeit, als Wald als «Manchester der Schweiz» ein Zentrum der Textilindustrie war und die Fabriken, Kosthäuser und Fabrikantenvillen entstanden, die Wald bis heute prägen

 

 

Artikel erschienen am 9. April 2010 im Zürcher Oberländer


Zeitig die Finger vom Stoff gelassen
Honegger AG feiert 150 Jahr-Jubiläum mit Buch



Hartes Arbeiterlos: Belegschaft vor der Weberei Hueb um 1910.

 

150 Jahre - ein beinahe biblisches Alter für ein Unternehmen. Doch die einst blühende Textilfirma Otto & Joh. Honegger hat ihr Gesicht radikal verändert. Wie, zeigt ein Buch auf.

Michael von Ledebur

Es war ein Schock für Wald und das ganze Zürcher Oberland: Am 15. Februar 1988 gab die Textilfirma Otto & Joh. Honegger AG (OJH) ihre Schliessung bekannt. 280 Personen verloren ihre Stelle, die Gemeinde ihren grössten Arbeitgeber. Die Traditionsfirma war kerngesund, als sie ihre Tore schloss. «Das konnten damals viele nicht verstehen», sagt Andreas Honegger, «und ich bin sicher, dass es in Wald Leute gibt, die noch heute Mühe haben mit diesem Entscheid.» Dass die Betriebsschliessung indes nicht das Ende der Unternehmensgeschichte bedeutete, dafür ist Andreas Honegger der Beweis: Der 54-Jährige führt die Firma in der vierten Generation ins 150. Jahr ihres Bestehens.

Beachtlicher Besitz
Die Otto & Joh. Honegger war als stolzes Textilunternehmen während mehr als hundert Jahren ein Flaggschiff des hiesigen Werkplatzes und beschäftigte zu den besten Zeiten Tausende von Arbeitern. Mit diesen Zahlen kann die heutige OJH nicht konkurrieren. Das Unternehmen hat acht Beschäftigte und verwaltet den beachtlichen Besitz an Land und Immobilien, der geblieben ist - vor allem Lofts und Wohnungen in ehemaligen Kosthäusern und Fabrikgebäuden. Bekannt ist die Firma für die Umnutzung des Bleiche-Areals in Hotel, Restaurant, Wellnessbad und Fitness-zentrum. Die Firma bietet ihre Dienste auch zur Umnutzung anderer Industrieareale an. In der Bleiche wurden Räumlichkeiten zudem an Unternehmen vermietet. Ingesamt arbeiten heute wieder gut 200 Personen auf dem Areal.

Erster Versuch scheiterte
Zwischen der alten und der neuen Honegger liegen einige Jahre. Nach der Betriebsschliessung 1988 hatte man die Fabrikgebäude zunächst an Kleinunternehmen vermietet, von denen jedoch viele wieder eingingen. So lag das Areal brach, und niemand wusste so recht, wie es weitergehen sollte, als Andreas Honegger Mitte der 1990er Jahre nach Wald zurückkehrte. Der jüngste Sohn des langjährigen Fabrikherrn Otto Honegger hatte jahrelang als Filmemacher in Berlin gelebt. Aus der deutschen Hauptstadt brachte er die Idee mit, die alten Fabrikhallen zu Lofts umzubauen.
Wohnungen und Restaurants statt Industrie? Die Idee stiess innerhalb der Familie - in erster Linie Honeggers Cousins, die das Geschäft ad interim führten - auf wenig Gegenliebe. «Aber niemand hatte eine Alternative.» Einen Verkauf hatte man ebenfalls erwogen, die Idee aber wegen der damit anfallenden hohen Steuern verworfen. So stimmte man dem Projekt widerwillig zu.

Die Herkunft spüren lassen
Die ersten Jahre waren nicht einfach. «Wenn ich zu dieser Zeit einen Laden betrat, sind die Leute verstummt.» Viele Walder hätten ein Misstrauen gehegt gegenüber der reichen Fabrikantenfamilie. «Mich und meine Geschwister hat man das schon als Kinder in der Schule spüren lassen.» Damals habe man seinen Vater im Dorf noch als «Herrn» angesprochen und ihn als den «jungen Herrn». Bei Honeggers Rückkehr Jahrzehnte später weckten vor allem die unklaren Aussichten für das Fabrikareal Unbehagen. Mittlerweile habe sich das Verhältnis entspannt; die Walder seien stolz auf den neu geschaffenen Ortsteil in der Bleiche. Für Honeggers Kinder ist der Name kein Handicap - vielen Waldern ist er schlicht kein Begriff mehr.

«Es läuft gut»
Auch in wirtschaftlicher Hinsicht war der Beginn schwierig. Das Restaurant fuhr jährlich Verluste von Hunderttausenden von Franken ein. Mittlerweile «läuft es gut», wie Honegger, der keine Umsatzzahlen bekannt gibt, sagt. Auch Bad und Fitnesscenter rentierten, wenn auch nur knapp. Entscheidend seien die finanziellen Reserven gewesen. So habe man über ausreichend Substanz verfügt, um die Anfangsverluste aufzufangen. Dies wiederum sei dem damaligen Entscheid zur Schliessung zu verdanken, sagt Honegger. Andere Firmen seien ausgeblutet. Die OJH hingegen steht auch noch nach 150 Jahren unter Führung der Familie - wenn auch unter komplett anderen Vorzeichen.


Möchten Sie mehr wissen - www.bleiche.ch


12. April 2010 - Tages-Anzeiger
Honeggers Urenkel lasen rührende Liebesbriefe aus dem 19. Jahrhundert
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10. April 2010 - Tages-Anzeiger
Vom Fabrikler-Kind zum Patron
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