Der Zürcher Schriftsteller Hugo Loetscher ist tot - geblieben sind seine Werke und viele Erinnerungen an einen grossen Erzähler. Ich habe ihn diesen Frühling noch an den Solothurner Literaturtagen erlebt: witzig, geistreich und lebensfroh.

Ich habe mich in meinem Büchergestell umgesehen und das Buch von Hugo Loetscher "Die Kranzflechterin" gefunden, welches von ihm anlässlich einer Lesung signiert wurde.
Ich begann zu lesen und das Buch fesselte mich wieder von Neuem; es wurde daher mein September-Buchtipp.


Hugo Loetscher, Die Kranzflechterin
Diogenes Taschenbuch Nummer 21728
Fr. 17.90 bitte mit Mail bestellen

Anna, die junge Frau aus dem "Badischen" kommt mit ihrem unehelichen Kind nach Zürich und findet vor dem l. Weltkrieg zuerst Unterschlupf bei ihrer Schwester. Sie versucht sich zuerst im Aussersihl - eine Gegend, die Hugo Loetscher von seiner Kindheit sehr gut kannte - mit dem Verkauf von Gemüse. Sie setzt ihr Kind Else am Morgen früh in ihren Leiterwagen zwischen Blumenkohl, Lauch und Stangenbohnen. Sie merkt aber bald, dass die Konkurrenz zu gross ist und beginnt Totenkränze zu binden. Obwohl sie ein karges Leben führt, lebt Anna ein lebensfrohes und buntes Leben. Hugo Loetscher beschreibt einen Abend mit Freunden bei einer Metzgete und das Blut der angestochenen Blutwurst spritzt lustvoll in die Runde. Dieser Abschnitt hat mir doch sehr gefallen.
Ich habe mich beim erneuten Lesen des Buches immer wieder gefreut, wie ein Mann ein solch grosses Wissen der Blumen hat und wie er diese Farbenvielfältigkeit so bildlich beschreiben kann.
Die Kranzflechterin war das zweite Buch von Hugo Loetscher, erschienen 1964 im Arche Verlag und auf dem Klappentext kann man folgendes lesen: Mit Hugo Loetscher ist, das darf man nach seinen beiden ersten Romanen bereits feststellen, ein neuer Erzähler in deutscher Sprache auf den Plan getreten, von dem man noch sehr viel Erfreuliches erwarten kann.

Wie so recht hatte er!


Weitere Bücher von Hugo Loetscher


Archiv: Mein Buchtipp
Januar 2007: Urs Faes, Liebesarchiv
Februar 2007:Lukas Hartmann, Die letzte Nacht der alten Zeit
März 2007: Mohsin Hamid, Der Fundamentalist, der keiner sein wollte
April 2007: Elke Heidenreich, Mit unseren Augen
Mai 2007: Banana Yoshimoto, Federkleid
Juni 2007: Rachel Seiffert, Danach
Juli 2007: Dorner, Die letzte Liebe des Monsieur Armand
August 2007: Peter Goldsworthy, Maestro
Oktober 2007: Zurhorst, Liebe Dich selbst und freue Dich auf die nächste Krise
November 2007: Ursula Markus/Paula Lanfranconi, Schöne Aussichten
Dezember 2007: André Gorz, Brief an D
Januar 2008: Kakar, die Frau, die Gandhi liebte
Februar 2008: Ein perfektes Wochenende in Zürich
März 2008: Good/ Hutzl-Ronge, Magische Schweiz - Wanderungen zu Orten der Kraft
April 2008: Angelika Waldis, Die geheimen Leben der Schneiderin
Mai 2008: Die Welt in atemberaubenden Bildern. Best of National Geographic
Juni 2008: Konstanze von Schulthess, Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Ein Portrait
Juli 2008: Paul Gayler, Fingerfood für Geniesser
August 2008: Francesc Miralles, Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen
September 2008: Brigitte Giraud, Die Liebe ist doch sehr überschätzt
Oktober 2008: Christian Haller, Im Park
November 2008: Renan Demirkan, Septembertee
Dezember 2008: Paul Wittwer, Giftnapf
März 2009: Helen Garner, Das Zimmer

April 2009: Klara Obermüller, Schwarz auf Weiss
Mai 2009: Sarah Kuttner, Mängelexemplar
Juni 2009: Walter, Das dreifarbene Meer
Juli 2009: Fabio Volo, einfach losfahren
August 2009: Wo liegt der Himmel auf Erden

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