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Der
Philosoph André Gorz rekapituliert in Form eines langen Briefes die 58
Jahre des Zusammenlebens mit D., einer Engländerin, die er 1947 in Lausanne
kennen gelernt hatte und die dann seine Frau wurde.
Das schmale Bändchen hat mich sehr berührt - lesen Sie es!
 
André Gorz, Brief an D. Geschichte einer Liebe
Rotpunkt Verlag
94 Seiten Fr. 24.--
»Du
wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst
nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und
begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und
ich liebe dich mehr denn je"
So beginnt diese »Geschichte einer Liebe«, verfasst vom 83-jährigen Philosophen
und Sozialtheoretiker André Gorz in Form eines langen Briefes. Er rekapituliert
die 58 Jahre des Zusammenlebens mit D., einer Engländerin, die er 1947
in Lausanne kennen gelernt hatte und die dann seine Frau wurde. Wäre ihm
und D. wundersamerweise ein zweites Leben beschieden, schreibt Gorz am
Schluss seines Briefes, würden sie es wieder zusammen verbringen.
Andre
Gorz zweifelte an der Richtigkeit der Institution Ehe und schreibt:
"Was
beweist uns, dass unser Pakt fürs Leben in zehn oder zwanzig Jahren
noch dem Wunsch derer entsprechen wird, die wir dann geworden sind?"
Die
Antwort lautete: "Wenn Du Dich mit jemandem fürs Leben verbindest,
dann legt ihr eure Leben zusammen und unterlasst alles, was eure Verbindung
entzweit oder ihr zuwiderläuft. Die Herstellung eurer Gemeinsamkeit
ist euer gemeinsames Projekt, und ihr werdet es je nach den wechselnden
Situationen immer wieder von neuem bestätigen, anpassen, neu ausrichten.
Wir werden das sein, was wir zusammen tun werden.
Ich
fand diese Zeilen sehr stark und aussagekräftig. Kann man eine Liebe
schöner beschreiben?
ÜBER ANDRÉ GORZ
André
Gorz (1923–2007), geboren in Wien, verbrachte die Kriegsjahre in der Schweiz
und ließ sich nach Kriegsende in Paris nieder. Er arbeite mit Jean-Paul
Sartre und Simone de Beauvoir an der Zeitschrift Les Temps modernes, war
Redaktor bei L’Express, später bei der Wochenzeitung Le Nouvel Observateur,
die er 1964 zusammen mit Jean Daniel gegründet hatte.
In seinen Buchpublikationen profiliert sich Gorz als Theoretiker der Arbeiterselbstverwaltung
und der politischen Ökologie. Zentrale Themen sind die Frage der Arbeit
– Befreiung von der Arbeit, gerechte Verteilung der Arbeit, Entfremdung
in der Arbeit – und der Wissensökonomie. 1958 erschien die Autobiografie
Der Verräter (dt. 1980), zu der Sartre das Vorwort schrieb. Dort erscheint
bereits seine Frau Dorine unter dem Namen Kay. Das vorliegende Buch ist
gewissermaßen die Fortsetzung (und was Kay/Dorine betrifft auch Korrektur)
dieser Autobiografie fünfzig Jahre danach. Und jetzt ist es auch Gorz’
Vermächtnis. Gorz hat die Entstehung der deutschen Ausgabe noch bis in
die Details begleitet, er hat die Übersetzung in dieser Form autorisiert
und das Personenverzeichnis redigiert; er und seine Frau fanden das Büchlein,
als sie es in Händen hielten, »wunderschön«.
Sie
waren sich einig, dass keiner dem anderen ins Grab sehen sollte, und so
haben sie sich am 22. September 2007 - sie schon lange schwer krank -
in ihrem Haus in Vosnon in der Champagne gemeinsam das Leben genommen.
Archiv:
Mein Buchtipp
Januar
2007:
Urs Faes, Liebesarchiv
Februar
2007:Lukas Hartmann, Die letzte Nacht
der alten Zeit
März
2007: Mohsin Hamid, Der Fundamentalist, der keiner
sein wollte
April
2007: Elke Heidenreich, Mit unseren
Augen
Mai
2007: Banana Yoshimoto, Federkleid
Juni
2007: Rachel Seiffert, Danach
Juli
2007: Dorner, Die letzte Liebe des Monsieur
Armand
August
2007: Peter Goldsworthy, Maestro
Oktober
2007: Zurhorst, Liebe Dich selbst und
freue Dich auf die nächste Krise
November
2007: Ursula Markus/Paula Lanfranconi,
Schöne Aussichten
OBEN
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