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Die
Journalistin Elisabeth Bardill-Meyer aus Tenna im Safiental hat mir die
Erlaubnis gegeben, ihre Buchbesprechungen hier abzudrucken. Ganz herzlichen
Dank!
Hier
finden Sie ein Interview mit Elisabeth Bardill
Elisabeth Bardill
Besprechung für den Mai Newsletter
Helga Schubert, Luft zum Leben
Aline Valangin, Mutter
Flurina Badel, Nebelflüchtige
Ungewollt? Inlandadoptionen in der Schweiz im 20. und 21. Jahrhundert
- Zäsuren, Praktiken, Biografien

Helga Schubert, Luft zum Leben
dtv Verlag Fr. 33.50
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Luft
zum Leben – Geschichten vom Übergang
Helga Schubert, 86 Jahre jung, zeigt mit ihren Erinnerungen, Träumen
und Gedanken, die sie niederschrieb, einen Rück- und Einblick in
ihr Frauenleben vor, während und nach dem Mauerfall in Deutschland.
Im Buch handelt es sich auch um Zeitungsartikel, die nicht veröffentlicht
wurden. Die Autorin nutzt im hohen Alter die Freiheit, um Vergangenes
hervorzuholen und zu veröffentlichen, was in Zeiten der DDR nicht
möglich war oder zurückgewiesen wurde. Jedes Buchkapitel ist
in sich geschlossen und enthält klare oder verschlüsselte Botschaften.
Es ist ihre eigentliche Art, Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts aus
dem persönlichen Blickwinkel darzustellen. Ehrlich aber einfühlsam
schreibt sie auch über Begegnungen mit anderen Menschen, über
ihr Muttersein voller Ungeduld aber mit warmem Herzen, über den Stolz
am Militär-Besuchstag, als sie ihren Sohn in Uniform sah. Sie drückt
aus, wie es ist, wenn die Macht spricht, wenn Textstellen in einem Artikel
geschwärzt werden. Der Tod ihrer Grossmütter, die Sehnsucht
nach Berlin und der freien Welt, das Landleben, die Frauenwürde,
ein gesprungenes Herz, die altmodischen Worte oder Lieblingsstunden ziehen
beim Schreiben an ihr vorbei. Widersprüchlichkeiten erlebte sie in
stiller schmerzhafter Rebellion. Aber mit Durchhaltewillen, urgewaltiger
Lebensenergie zeigt sich Helga Schubert als kluge Kämpferin für
demokratische Werte im Alltag wie in ihrer Weltbeziehung. Sie wünscht
sich, dass ihr bunter Strauss von Geschichten bei einer breiten Leserschaft
jeder Altersstufe ankommt. Dass wir, die nicht Bücher schreiben,
über Krieg und Frieden nachdenken. Dieses zwiespältige Phänomen
soll eine Herausforderung sein, um Lösungen für das Hier und
Jetzt zu finden. «Es gibt immer einen Ausweg in eine Rettung, es
gibt immer einen Übergang in eine vorher unsichtbare unvorstellbare
Lösung.»
Helga Schubert ist 1940 in Berlin geboren. Sie wohnt in einem kleinen
Dorf auf dem Lande. Sie war Psychotherapeutin und Schriftstellerin in
der DDR. Sie schreibt über die Vergangenheit und verknüpft sie
mit der Gegenwart. Teile aus ihrer eigenen Liebes- und Lebensgeschichte,
Politik, Wahrnehmungen aus der beruflichen Praxis vermischen sich, als
sei es ein Gespräch im Freundeskreis. Das führt ihre Bücher
zum Erfolg. Ihre spontan gehaltenen Lesungen und freien Reden sind mit
Humor gespickt und lohnen sich zum Anhören und Zuschauen im Internet.
Sie vermitteln Luft zum Leben!
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 4. April 2026

Aline
Valangin, Mutter
Limmat Verlag Fr. 30.00
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Mutter
– Aufzeichnungen einer Tochter
Erinnerungen können traumatische Folgen haben. Aline Valangin vertraute
ihrem Tagebuch die Beziehung zu ihrer Mutter in Echtform an. Madame Ducommune,
die Mutter, liebte, beschützte und bewahrte ihr Mädchen so sehr,
dass sie in eine besitzergreifende Rolle hineingeriet. Aline, das Kleinkind,
fühlte sich unaussprechlich geborgen bei der Mutter. Es entwickelte
sich daraus eine wechselseitige Abhängigkeit, die bei der Heranwachsenden
zu einer Gefahr beim Wachstum der eigenen Identität und Intimität
führte. Selten aber umso heftiger kam es zum Bruch zwischen Mutter
und Tochter wo erstere traurig, hart und unnachsichtig wurde. Aline wurde
von trotzigem Widerstand und Schuldgefühlen geplagt. Hilflosigkeit
und respektbedingtes Schweigen der Mutter gegenüber beeinträchtigten
das Grundgefühl einer Kindheit und Jugend. Als Alines Mutter 1921
starb, war die Tochter 32 Jahre alt und verheiratet. Zu einer aufklärenden
Versöhnung am Totenbett war es fast zu spät. Reue und Mutterliebe
brachen heftig über die junge Frau her. Sie gewann danach ein Stück
Freiheit für ihr künftiges Leben. – Die Aufzeichnungen
sind ein Zeitdokument über innerfamiliäre Beziehungen in der
Oberschicht.
Aline Valangin, ist in Bern aufgewachsen und lebte von 1889-1996. Sie
war ausgebildete Pianistin, verheiratet mit dem Anwalt Wladimir Rosenbaum,
später mit dem Pianisten Wladimir Vogel. Sie ist als Psychoanalytikerin,
Publizistin und Schriftstellerin bekannt geworden. Ab 1936 lebte sie im
Onsernonetal und in Ascona.
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 22. März 2026

Flurina
Badel, Nebelflüchtige
Rotpunkt Verlag Fr. 28.00
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Warum seid ihr alle aufs Geld aus?
Die Engadiner Autorin Flurina Badel greift in ihrem Roman „Nebelflüchtige“
das gegenwärtige Thema der Bergbevölkerung auf. Nebelflüchtige
sind die Zweitwohnungsbesitzer aus dem nebligen Unterland. Ungeschönt
realistisch schildert die Autorin die Beziehungen von Feriengästen
zu den ansässigen Dorfbewohnerinnen und -bewohnern. Einst kannte
man sich, die Begegnungen waren meist persönlicher Art. In diesem
Jahrhundert kam es zu sprunghaften Veränderungen in den einst kleinen
überschaubaren Siedlungen. Durch den Verkauf von Bauland und alten
Häusern entstanden ungleiche Meinungen und Vorstellungen bei der
Entwicklung von Berggemeinden. – Im Zentrum des Romans steht ein
Haus, das an Unterländer verkauft wird. Kaum ist die Mutter beerdigt,
verkaufen ihre Söhne, ohne ihre Schwester im Ausland zu befragen,
das Haus. Aita fühlt sich übergangen und allein mit ihrer Trauer
um die plötzlich verstorbene Mutter. Es fällt ihr schwer, mit
allem zurecht zu kommen. Im Dorfladen findet sie vorübergehend Zuflucht.
Der Verkaufsleiter, Aitas ehemaliger Schulfreund, lässt seinem Frust
freien Lauf. Der vermeintliche Fortschritt durch renovierte aber verschlossene
Häuser und die Ansicht der Behörden, die zusehen, wie ein Bauerndorf
zum Disneyland wird, machen ihn zum Extremisten und Prediger in der Wüste.
Er fragt sich und andere: „Warum seid ihr alle aufs Geld aus?“
Doch die andern meinen, dass ohne Geld einfach gar nichts gehen würde.
Aita, die Tochter des nun verschlossenen Hauses, in dem sie ihre Kindheit
verbrachte, vereinsamt in einem Studio ihres Heimatdorfes.
Flurina Badel, geboren 1983 in Lavin, ist Schriftstellerin und gestaltende
Künstlerin. Sie lebt in Guarda und erlebt die soziokulturelle Entwicklung
des Dorfes hautnah. Der neue Roman zeugt von einer ausserordentlichen
Einfühlung in die Seelenlandschaften anderer Menschen. Durch das
Überzeichnen von Wesenszügen und Verhaltensweisen bewahrt die
Autorin immer eine respektvolle Distanz zu den Leuten. Sie ist und bleibt
eine von ihnen. Ihr Buch trifft ins Schwarze. Schwierige politische Fragen
an die Stadt- und Landbevölkerung stehen ja in den Tourismusdestinationen
gegenwärtig an. Der Roman in Rätoromanischer Sprache wurde 2025
mit dem Bündner Literaturpreis ausgezeichnet. Mit im Boot ist die
Übersetzerin Ruth Gantert. Sie erhielt 2022 den internationalen Übersetzungspreis.
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 18. April 2026

Ungewollt?
Inlandadoptionen in der Schweiz im 20. und 21. Jahrhundert - Zäsuren,
Praktiken, Biografien
Chronos Verlag Fr. 48.00
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Ungewollt?
– Inlandadoptionen in der Schweiz
Zäsuren, Praktiken, Biografien. Ein Buch über die wissenschaftliche
Forschung des Schweizerischen Adoptionsrechtes im Wandel von 1917-2022.
Bis in die frühen 1980er-Jahre stammte die grosse Mehrheit der in
der Schweiz adoptierten Menschen aus dem Inland. Heute leben in der Schweiz
weit über 10'000 Menschen, die bei einer Adoptivfamilie aufgewachsen
sind. Sie kennen ihre leiblichen Eltern nicht oder lernen sie erst im
Erwachsenenalter kennen. Man weiss kaum etwas darüber, wie die Inlandadoptionen
zustande kamen und wie sie von den Betroffenen erlebt wurden und werden.
Eine Forschungsgruppe hat sich diesem Feld der Sozial- und Kulturgeschichte
zugewendet. Das im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes, bei dem
die Aufarbeitung der schweizerischen Kinder- und Jugendhilfe in jüngster
Zeit tiefgehend vorangetrieben wird. Hinweise über Schwerpunktthemen
im Buch: Zementierung des bürgerlichen Familienmodells im Zivilgesetzbuch
und die Stigmatisierung lediger Mütter und unehelicher Kinder; Adoption
als unumkehrbarer Eingriff des Staates in die Familie; Vermittlungspraxis,
Akteurinnen und Akteure und Zwangsmomente im 20. Jahrhundert; Spannungsfeld
zwischen den Sichtweisen der leiblichen Eltern und der Behörde; Mehrdeutigkeit
von Familie; Bedeutung von Familiengeheimnissen und der Suche nach Wissensquellen
in Biografien adoptierter Menschen; Erst- und Wiederbegegnung zwischen
Eltern und Kind als Kristallisationspunkt von Zugehörigkeit; Logik
behördlicher Praktiken; Ausblick und weiterführende Fragen …
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass das Kindeswohl bei Fremdplatzierungsentscheiden
nicht immer im Zentrum stand. Das vorliegende Buch soll der Sensibilisierung
der heutigen professionellen Zusammenarbeit mit Familien in unterschiedlichen
Handlungsfeldern dienen.
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 23. März 2026
Elisabeth Bardill
Elisabeth Bardill-Meyer kam 1941 im aargauischen Auenstein zur
Welt und wuchs danach in Küsnacht am Zürichsee auf. Nach der
Ausbildung zur Kindergärtnerin an der Neuen Mädchenschule Bern
war sie in Bubendorf BL tätig. Nach der Heirat mit einem Bündner
Lehrer zog sie nach Tenna ins Safiental und später nach Schiers.
Sie hat vier Söhne und fünfzehn Enkel. Während vieler Jahre
unterrichtete sie im Bildungszentrum Palottis Schiers in den Fächern
Erziehungslehre, Werken und Gestalten. Seit 2004 lebt Elisabeth Bardill
mit ihrem Mann wieder in Tenna. Sie arbeitet freischaffend journalistisch
für Zeitschriften, Zeitungen wie auch regelmässig für die
„Terra Grischuna“, schreibt Bücher und gibt diese selber
unter „edition bardill“ heraus. Es handelt sich stets um Porträts
von Menschen in Graubünden.

Elisabeth Bardill, Männer und Frauen verwurzelt
in Graubünden
Edition Bardill
Fr. 30.00
bitte
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Elisabeth Bardill, Bauernstolz und Bauerntum
Edition Bardill, 2008 Fr. 35.00 bitte mit Mail bestellen
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