Die Journalistin Elisabeth Bardill-Meyer aus Tenna im Safiental hat mir die Erlaubnis gegeben, ihre Buchbesprechungen hier abzudrucken. Ganz herzlichen Dank!

Hier finden Sie ein Interview mit Elisabeth Bardill

Elisabeth Bardill


Besprechungen für Sie zwischen den Rauhnächten
Jakob Wiedmer, Flut
Claudia Vonmoos, Kunst ist, sich an morgen zu erinnern. Miniaturen

 


Jakob Wiedmer, Flut
Chronos Verlag Fr. 39.00

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Flut – ein Bergdorf öffnet sich der Tourismuswelle

Christian Eicher und seine Familie waren Zugezogene und blieben es. Man musste deren Anliegen nicht ernst nehmen in der Gemeinde. Der einheimische Aregger hatte die riskante Sache mit dem Fremdenwesen angepackt und war in aller Munde. Es galt Kalk und Sand aus dem Tal heraufzutragen. Der neue Unternehmer Aregger tröstete seine Träger damit, dass sie im Sommer Fremdengepäck hochtragen könnten. Das sei leichter und zahle sich besser aus. So hatten sich die Bauern und ihre Söhne mit dem mageren Lohn abgefunden. Liebe, Nachbarschaftshilfe, Todesfälle, Erbschaften, Bauwesen, Bahnbau, Feuersbrunst und Immobilienkäufe kommen ohne eigentliche Kapitelaufgliederung vor im Roman.
Zum Thema: Der 1905 erschienene Roman dramatisiert die Folgen des aufkommenden Fremdenverkehrs im abgelegenen Weiler Wengen im Berner Oberland. Bergbauern werden zu Hotelbesitzern. Spekulationen und rasch gewonnenes Geld entfesseln Streit und Missgunst unter den Menschen. Hundert Jahre zuvor hat Jeremias Gotthelf in dieser Art über die Menschen geschrieben. Ein Quäntchen Wahrheit wird scharf, ja überspitzt aufbereitet, so
dass die Lektüre zum Genuss wird. Nicht aber so im betreffenden Umfeld. Der Autor Jakob Wiedmer-Stern blieb wegen seinem Roman ein Aussenseiter als Hoteldirektor in Wengen. Er blieb nicht lange auf diesem Posten. Das Hotel hatte seine Frau gegründet. Wiedmer war ein Beobachter mit genialen Fähigkeiten als Archäologe, Erfinder, Museumsdirektor, Journalist und eben auch Schriftsteller. Im Roman weist er auf die Problematik des Tourismus in den Alpen hin. Er kritisierte die einseitige Ausrichtung, die dann zu Beginn des Ersten Weltkrieges zum wirtschaftlichen Stillstand führte. Heute, 120 Jahre später, ist die touristische Überflutung der Bergwelt erneut zu einem aktuellen Thema geworden.– Als Wiedmers Tochter 1994 verstarb, wurden aus dem Nachlass ihres Vaters mehrere Schuttmulden mit Akten, Manuskripten und fotografischem Material unbesehen vernichtet. Felix Müller ist der Herausgeber. Christian Rohr schrieb das Nachwort.

Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 17. Dezember 2025


Claudia Vonmoos, Kunst ist, sich an morgen zu erinnern. Miniaturen
Kiener Verlag Fr. 28.50

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Kunst ist, sich an morgen zu erinnern

Die Autorin Claudia Vonmoos hat Geschichten und Gedichte als Miniaturen gesammelt. Die Texte sind zwischen 2021 und 2024 entstanden. Sie wurde inspiriert von Menschen, Dingen, Kunstwerken, Schlagzeilen, vom Duft des Kaffees, dem Geräusch eines Hauses, von Mustern auf Wasser oder Holz, dem Geräusch eines Hauses, einem Versprecher am Radio – und vielem mehr. Das Sammeln von Augenblicken sei leicht gewesen; das verdichtende Verarbeiten des Materials zum intensiven Prozess geworden. Die Autorin ist in Chur aufgewachsen und lebt in Riehen. Sie konzertierte über Jahre als Pianistin und kreierte und leitete Projekte mit Kunstschaffenden verschiedener Disziplinen. 2024 gewann sie den WORTGEWANDT-Schreibwettbewerb in Wien.

Hier eine Miniatur aus dem Buch von Claudia Vonmoos:

Bilder, eine kurze Geschichte der Fotografie
«Durch seine Kamera schaute er in die Vergangenheit. Er tat es für die Zukunft, die beim Betrachten der dann gegenwärtigen Vergangenheit vorbei sein würde. Früher musste er tagelang warten, bis sichtbar wurde, was schon vergangen war. In stummem Vorgang, mysteriöser Dunkelkammer wurde es vom Profi, den wir als Kinder Magier nannten, ans Licht gebracht. Später ging’s noch wenige Minuten. Krachend spuckte ein unförmig hässliches Ding die Vergangenheit aus. Diese wollte dann für kurze Zeit in Ruhe trocknen, ohne angefasst zu werden. Damals hatte die Vergangenheit noch Rechte. Jetzt ist alles Warten ausgetrickst, Vergangenheit uns auf den Leib gerückt. Bald werden die Bilder da sein, bevor wir sie schiessen. Dann müssen wir nur noch in sie steigen, ohne sie zu stören. Machen Sie es sich gemütlich im Reich der Bilder!»

Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 27. Dezember 2025




Elisabeth Bardill

Elisabeth Bardill-Meyer kam 1941 im aargauischen Auenstein zur Welt und wuchs danach in Küsnacht am Zürichsee auf. Nach der Ausbildung zur Kindergärtnerin an der Neuen Mädchenschule Bern war sie in Bubendorf BL tätig. Nach der Heirat mit einem Bündner Lehrer zog sie nach Tenna ins Safiental und später nach Schiers. Sie hat vier Söhne und fünfzehn Enkel. Während vieler Jahre unterrichtete sie im Bildungszentrum Palottis Schiers in den Fächern Erziehungslehre, Werken und Gestalten. Seit 2004 lebt Elisabeth Bardill mit ihrem Mann wieder in Tenna. Sie arbeitet freischaffend journalistisch für Zeitschriften, Zeitungen wie auch regelmässig für die „Terra Grischuna“, schreibt Bücher und gibt diese selber unter „edition bardill“ heraus. Es handelt sich stets um Porträts von Menschen in Graubünden.



Elisabeth Bardill, Männer und Frauen verwurzelt in Graubünden

Edition Bardill
Fr. 30.00 bitte mit Mail bestellen



Elisabeth Bardill, Bauernstolz und Bauerntum
Edition Bardill, 2008 Fr. 35.00 bitte mit Mail bestellen

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