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Die
Journalistin Elisabeth Bardill-Meyer aus Tenna im Safiental hat mir die
Erlaubnis gegeben, ihre Buchbesprechungen hier abzudrucken. Ganz herzlichen
Dank!
Hier
finden Sie ein Interview mit Elisabeth Bardill
Elisabeth Bardill
Besprechungen für den Juli Newsletter
Verena Schwarzer, Val Calanca
Linard Bardill/Lorenzo Custer, A13 - Geschichten
vom Eilen und Verweilen
Angelika Overath, Calanda oder Alvas Antwort
Dorothee Kohler, Vier Seiten Leben
Verena Schwarzer, Val Calanca. Im Tal der Sagen und Legenden
AS Verlag Fr. 29.80
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Val Calanca
Im Tal der Sagen und Legenden. Die festgehaltenen Erzählungen von
Verena Schwarzer und den Fotografien von Urs Bolz ergeben zusammen ein
gefühlsmässig ergreifendes Erlebnis für alle diejenigen,
welche bereits eine Beziehung zum wilden Südtal Graubündens
haben. Sie wecken die Neugierde, dieses Tal wandernd kennen zu lernen.
Wenn man vom Pfad abkommt, wo die Lieblichkeit von kleinen Lichtungen
sofort mit der Wildnis von bemoosten Blöcken zu schroffen Felswänden,
zum dunklen Bergwald wechselt und das rationale Denken an seine Grenzen
stösst, können Unsicherheiten und Ängste aufkommen. Die
Sagen und Legenden führen zu Erscheinungsbildern und Ereignissen
in früheren Zeiten hin. Menschen verschwanden aus mancherlei Gründen
im Nebel, in Spalten oder über die Berge. Deren Spuren findet man
bis heute in Orts- und Flurnamen und vor allem in den Namen der geheiligten
Stätten von Kirchen und Kapellen, wo es um Heiligenlegenden. Letztere
haben oft eine vernebelte Entstehungsgeschichte. – Fast alle Fotos
sind im Herbst und Winter aufgenommen, was eine geheimnisvolle Wirkung
auf die Betrachtenden hat. Die Erzähltexte sind kurz und bündig
gehalten. Nur die Alten kannten den Weg am Fluss der Calancasca entlang
und warnten, dass man ihn nicht bei Nebel begehen sollte. Lena hatte das
schon in ihrer Kindheit gehört, in der Stube ihrer Grossmutter. Vom
grauen Schritt, der einem folge, wenn man allein gehe, vom Flüstern
des Flusses, vom Geist, der einen ins Wasser ziehen wolle, wenn man nicht
aufpasse. Kindergeschichten – dachte Lena … Viele der alten
Schmuggelrouten sind heute noch als Wanderwege erhalten. Ein bekannter
Pfad führt über den Passo di Trescolmen nach Pian San Giacomo
und von dort über den Passo Balniscio nach Italien. Sagen und Legenden
erzählen von geheimen Lagerplätzen in den Bergen des Tales,
erzählen von Ängsten, Hoffnungen und dem tiefen Respekt der
Menschen gegenüber ihrer Umwelt. Aus dem Inhalt: Die drei Schatten
von Landarenca – Das gefundene Kind von Selma – Der entflohene
Sträfling – Der Fluch vom Cima de Nomnon – Die Hirtin
Wanda, die Schafe und der Wolf.
Arvigo ist vor rund zehn Jahren das feste Zuhause der Autorin Verena Schwarzer,
geboren 1953, geworden. Ihre Nachbarin Anna Rossi erzählte ihr über
Jahre faszinierende Geschichten aus dem Tal. Urs Bolz, geboren 1976, leitet
heute das Programm des AS Verlages. In seiner Freizeit widmet er sich
leidenschaftlich der Fotografie. Dieses Buchjuwel steht für das zurzeit
im politischen Fokus stehende Misox. Schmuggel findet in anderer Form
noch heute statt. Sagen und Legenden entstehen aus irrational erscheinenden
Tatsachen erst im Nachhinein. Sie enthalten Wahrheiten, die nicht beweisbar
sind. Tiefe Vergangenheit lässt die Gegenwart grüssen.
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna,
den 21. Juni 2026

Linard Bardill/Lorenzo Custer
A13 - Geschichten vom Eilen und Verweilen
Rotpunktverlag Fr. 32.00
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A13
– Geschichten vom Eilen und Verweilen
Der Dichter und Sänger Linard Bardill und der Architekt und Landschaftskalligraf
Lorenzo Custer sind auf der Fahrt von Sankt Margrethen nach Bellinzona
miteinander im Gespräch. Fröhlich, herausfordernd, nachdenklich
und weise nehmen sie die Leserschaft mit durch die Alpen. Der Altersunterschied
von zehn Jahren spielt eine gewisse Rolle, da Erfahrung und Wissen von
den beiden Männern unterschiedlich sind und sich auf der Reise miteinander
verweben wie auch ergänzen. Es geht um die Beziehung zu einer Autobahn.
Die himmlische Geschichte der Metzgerei Baumgartner in Diepoldsau und
die Erzählung vom mutigen Zollbeamten Grüninger stehen am Anfang.
Wir erfahren, dass das Schloss Marschlins seit dem 2. August 2021 Eigentum
von Prinz Rudolf von und zu Liechtenstein ist. Erinnerungen an Hans Weiss
sind festgehalten, der jung und durchseelt von der Liebe zur Landschaft
im damals neu geschaffenen Amt Landschaftsschutz für den Erhalt der
Flussauen der Isla Bella in der Region Rhäzüns gegen die Bündner
Regierung unermüdlich kämpfte. Linard und Lorenzo befinden sich
auf der alten Strasse ins «verlorene Loch». Das war früher
ein böser Weg durch die Viamala und ist heute ein geglücktes
Stück Strassenbau. Die von Initianten geplante Autobahnkirche bei
Andeer sollte das alte Motiv der Pass- und Wegkapellen an die heutige
Verkehrsader zurückholen, denn die vielen Kirchen im Tal stünden
am falschen Ort, weil sich die Wegrouten verlagert hätten. Es sollte
ein Ort für individuelle Spiritualität werden. Das wirft die
einfache Frage auf: «Macht der Wohlstand, dass die Leute keinen
Gott mehr brauchen?» Die Brücken vom Bauingenieur Christian
Menn im oberen Teil der Mesolcina machen deutlich, dass der Mensch sich
mit der Erde verbinden kann, selbst wenn er Autobahnen baut. Sie zentrieren
das Tal und machen es gleichzeitig lebendig.
Die Gespräche hören sich anfänglich fast wie am Stammtisch
in den Beizen an. Ein wenig unter- oder übertreiben mit etwas Spott
gewürzt werden sie immer ernsthafter und tiefgründiger je weiter
und je länger Linard und Lorenzo zusammen sind. Letzterer stellte
die Landschaften zu den Geschichten mit sicherer Hand und wenigen Strichen
zeichnerisch dar. Sie sind Wahrzeichen und übermitteln Stimmung,
Andenken und Ehrfurcht vor der grossartigen Alpenwelt. Das wundersame
Buch lehrt einen eine andere Sicht, einen anderen Sinn des Reisens kennenzulernen,
sowie über den Zwang des Eilens und über die Kultur des Verweilens
nachzudenken.
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 28. Juni 2026

Angelika
Overath, Calanda oder Alvas Antwort
Luchterhand Verlag Fr. 33.50
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Calanda
oder Alvas Antwort
Die Bergwanderung von Chur, hoch zum Hausberg Calanda, nimmt Alva in der
Morgendämmerung unter die Füsse. Sie will und muss etwas verarbeiten,
das vor ihr liegt und ihr Leben verändern wird. Auf dem Weg sind
die Gedanken bei ihren beiden Kindern, bei ihrer Freundin Seraina wie
bei zwei Männern, die ein Paar und auch die Väter ihrer zwei
Kinder sind. In Gedanken befindet sie sich an unterschiedlichen Aufenthaltsorten:
Sudetenland, Augsburg, Engadin, Istanbul, Davos oder Chur. Alva ist gleichzeitig
ganz in der Gegenwart, achtet auf den Weg, rutscht einmal aus oder befindet
sich im Nebel. Als gute Berggängerin, wenn auch neu mit zwei Stöcken,
meistert sie den Aufstieg bis zur Calandahütte, wo sie einkehrt um
Kräfte zu sammeln. Sie hat sich den Gipfel zum Ziel gesetzt. Im Wechsel
empfindet sie Glück der Vergangenheit und Schmerz für die nahe
Zukunft mit einer tödlichen Krankheit. Im schützenden Gestein
des Gebirges findet sie Antworten und innere Ruhe.
Der Roman ist Abbild der Gegenwart. Die Städte Chur und Istanbul
scheinen nahe zu sein wie das Sudentenland und das Engadin. Die Protagonistin
Alva ist alleinerziehend. Die unkonventionelle Form des Zusammenlebens
mit zwei Männern ist frei gewählt. Der Bildungsstand und die
Interessen der einzelnen Personen sind vielseitig. Das kleine und das
grosse Ereignis folgen einander auf den Fuss. Da ist der kleine Igel im
Garten oder die Blumen am Wegrand, da ist ein Grimmsches Märchen
oder ein Park in einem Vorort von Augsburg, der grosse Brand am Calanda
wegen Schiessübungen oder die Oper Lulu in Zürich und vieles
mehr…
Die Autorin Angelika Overath, wohnhaft in Sent GR, hat die Erinnerungen
einer modernen jungen Frau verdichtet festgehalten, so, wie es in aussergewöhnlichen
Lebenssituationen vorkommen kann. Die Flut der Erinnerungen kann eine
Getriebenheit auslösen und überwältigend wirken. Besuchte
Sehenswürdigkeiten, Sternstunden und Enttäuschungen in der Liebe
wie der Weg zum eigenen Ich bringen die Lektüre ins Fliessen.
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 30. April 2026
Dorothee Kohler, Vier Seiten Leben. Der Fall Martha
Limmat Verlag Fr. 30.00
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Vier
Seiten Leben
«Der Fall Martha L.» - Beim Aufräumen ihres Familiennachlasses
stiess Dorothee Kohler auf den Namen einer Tante, von der sie nichts wusste.
Ihr Vater hatte nie von einer Schwester erzählt, auch auf Familienfotos
fehlt jede Spur. Die Nichte Dorothee begann zu recherchieren, als sie
erfuhr, dass ihre Tante Martha Luginbühl im Mai 1894 geboren wurde.
Anhand einer kargen Klinikakte wollte sie Marthas Fall nachvollziehen.
In ihrem berührenden Buch erzählt die Autorin von einer jungen
versehrten Frau, die nicht einmal 25 Jahre alt wurde. Noch im 20. Jahrhundert
verwahrte oder versorgte man unfügsame Menschen in einem Asyl. Die
Familie koppelte sich in solchen Fällen, oftmals aus Scham, vom betroffenen
Familienmitglied ab. So wurde Martha vermutlich ausgestossen, da sie schwer
zu führen war. Die Diagnose: «Ein pathologischer Zustand, der
in das Gebiet der Idiotie gehört.» Die Autorin vertiefte sich
in Fachliteratur und Falldarstellungen aus jener Zeit. Sie konnte dadurch
ein vages Bild vom Leben ihrer Tante erahnen. Das Eintauchen in die Lücken
und Abgründe der Psychiatriegeschichte des 20. Jahrhunderts brachte
Dorothee Kohler näher zu Marthas Schicksal. Es gelang ihr, aus vier
Seiten Akteneintrag über die acht Jahre Asylleben von Martha, ein
Buch zu schreiben. Das Ausgestossensein eines jungen Menschen von Familie
und Gesellschaft wie auch die Hilflosigkeit von Angehörigen und früheren
Methoden und Anwendungen in der Psychiatrie werden in Erinnerung gerufen.
Martha L. war ein «Fall» und wird durch dieses Buch als Mensch
erkannt.
Empfohlen von Elisabeth Bardill
Tenna, den 26. April 2026
Elisabeth Bardill
Elisabeth Bardill-Meyer kam 1941 im aargauischen Auenstein zur
Welt und wuchs danach in Küsnacht am Zürichsee auf. Nach der
Ausbildung zur Kindergärtnerin an der Neuen Mädchenschule Bern
war sie in Bubendorf BL tätig. Nach der Heirat mit einem Bündner
Lehrer zog sie nach Tenna ins Safiental und später nach Schiers.
Sie hat vier Söhne und fünfzehn Enkel. Während vieler Jahre
unterrichtete sie im Bildungszentrum Palottis Schiers in den Fächern
Erziehungslehre, Werken und Gestalten. Seit 2004 lebt Elisabeth Bardill
mit ihrem Mann wieder in Tenna. Sie arbeitet freischaffend journalistisch
für Zeitschriften, Zeitungen wie auch regelmässig für die
„Terra Grischuna“, schreibt Bücher und gibt diese selber
unter „edition bardill“ heraus. Es handelt sich stets um Porträts
von Menschen in Graubünden.

Elisabeth Bardill, Männer und Frauen verwurzelt
in Graubünden
Edition Bardill
Fr. 30.00
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Elisabeth Bardill, Bauernstolz und Bauerntum
Edition Bardill, 2008 Fr. 35.00 bitte mit Mail bestellen
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